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Süddeutsche Zeitung

Sinnlich statt süßlich

Großes Sommerkonzert im Dießener Münster mit Sopranistin Juliane Banse

Präzisionsarbeit: Dirigent Franz Günthner setzt im Dießener Marienmünster
musikalische Akzente Foto: Fuchs

Dießen: Der zeitliche Vergleich erscheint zunächst stimmig, ist aber eher trügerisch. Bach und Haydn haben nur entfernt mit der Süße des süddeutschen Spätbarock im Dießener Marienmünster zu tun - wenn man Haydn weniger mit Wien als mit London In Verbindung bringt. Theatralische Staffagen in Marmor und Gold sind Bachs Werken jedenfalls fremd, auch wenn sein Trompetenglanz häufig dazu verführt, ordentlich Weihrauch durch die Ventile zu blasen.
Der substanzvolle Sopran von Juliane Banse hatte denn auch für die Kantate „Jauchzet Gott in allen Landen“ BWV 51 den richtigen Zugriff, kamen der renommierten Sängerin doch keinerlei Pastelltöne in den Sinn, ohne allerdings der werkimmanenten Lyrik ihre Berechtigung streitig zu machen. So trachtete der strahlende Glanz der Bachtrompete von Hans Jürgen Huber weniger nach dem Allerheiligenhimmel als vielmehr nach einer geistvollen Weite, die der virtuosen Gesangspartie Raum verschaffte. Aber auch die Unterlage sorgte reichlich für irdische Sinnlichkeit. Eine warm temperierte Capella Novanta, wie ein einfühlsamer Münsterchor und Kammerchor Schwabmünchen formten einen überaus runden und transparenten Klangkörper.
Und das bot auch in Haydns „Theresienmesse“ in B Hob. XXII:12 einen adäquaten Gegenpart zur Klangfülle des Solistenquartetts. Das einerseits höchst präzise und energische, andererseits musikalisch-suggestive Dirigat von Franz Günthner entlockte dem Chor reichlich Überzeugungskraft, der überschäumenden Lyrik des Wertes wirkungsvolle Akzente zu setzen. Der nahezu schwebende Klangteppich der Juliane Banse, Claudia Schneider (Alt), Hubert Nettinger (Tenor) und Thomas Ruf (Bass) konnte in diesem Rahmen seine Wirkung voll entfalten, aber auch in feinster Detailarbeit mit dialogischen Kontrasten spielen, wie etwa im Gloria von Haydn raffiniert minimalistisch verpackt. Das kleine Orchester hielt sich auch großartig zurück und brillierte mit kammermusikalischen Qualitäten, die vor allem in der Klangfarbigkeit eine wohltuende Balance zauberten.
Zwischen den beiden Vokalwerken war dieser Genuss pur zu erleben, mit Christoph Poppen an der SoloVioline. Bachs Konzert E-Dur BWV 1042 setzte Günthner als Zäsur ins Programm, und die Wahl überzeugte. Auch hier stand die Ensemble-Farbigkeit im Vordergrund, über die sich Poppen nur in Passagen sensibel emporhob, suchte aber sonst, den Ensembleklang mit Glanzlichtern zu bereichern. Mit einem straffen Allegro begonnen, blühte das Adagio in voller Schönheit auf, zumal Poppen jeder Manieriertheit aus dem Weg ging und mit zurückhaltender Schlichtheit zu großen Wirkungen fand. Das Allegro assai schloss den Bogen mit entschiedener Kraft, die der „Theresienmesse“ auch eine feierliche Eröffnung nachhaltig ermöglichte.
Schließlich nahm auch das Publikum, das die Bänke restlos ausfüllte, reichlich von der innigen Berührtheit fürs Fest der Mariä Himmelfahrt, dem Patrozinium des Münsters, mit. Ein lang anhaltender Applaus ersetzte wohl auch die eingesparten Blumen.
Reinhard Palmer