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Süddeutsche Zeitung 18.8.2006

Bach und Telemann, meisterlich
Sommerkonzert im Marienmünster Dießen

DerMünsterchor, verstärkt durch den Kammerchor Schwabmünchen, bot unter der Leitung von Franz Günthner im voll besetzten Marienmünster mit der „Donnerode" von Georg Philipp Telemann ein in jeder Hinsicht außergewöhnliches Konzert.

von Kurt Eichenseher

Dießen
Die Musik verbindet mehr als alle anderen Künste die Menschen unterschiedlicher Na-
tionen und Religionen. Daher scheint es heute gar nicht mehr so Aufsehen erregend,
wenn in einer katholischen Kirche Musik zweier bedeutender Kirchenmusiker evan-
gelischer Prägung zur Aufführung kommt. Dießens tüchtiger Kirchenmusiker Franz
Günthner bot im voll besetzten Marienmünster mit der „Donnerode" von Georg
Philipp Telemann ein in jeder Hinsicht außergewöhnliches Konzert auf hohem Niveau.

Die Gegenüberstellung der beiden Komponisten Bach und Telemann ermöglicht einen interessanten Aspekt. Der damals erfolgreichere und bekanntere Musiker war zweifels ohne Georg Philipp Telemann, der, als die Stelle des Thomaskantors in Leipzig zur Besetzung anstand, sich nur deshalb bewarb, um
den Magistrat in Hamburg zu einer Gehaltserhöhung zu zwingen. Als ihm das dann gelungen war, zog er seine Bewerbung wieder zurück und machte die Stelle frei für Johann Sebastian Bach.

Beide Barockkomponisten geh orten derselben Generation an, zeigten jedoch in ihrer Einstellung und den daraus resultierenden künstlerischen Ergebnissen deutliche Unterschiede. Der mehr introvertierte Bach war ein Anhänger der strengen Polyphonie, während Telemann die volkstümliche homophone Satzweise bevorzugte. Ein deutliches Beispiel dafür ist die „Donnerode", bei der der professionelle Kirchenmusiker Telemann nicht ein einziges Mal auf die kontrapunktische Satzeise zurückgreift, um die Jubelklänge in eine
große Chorfuge zu kleiden.

Dass Franz Günthner, der Chor, Solisten und Orchestermit großem Engagement, stilistischer Sicherheit und klarer Zeichengebung leitete, rasche Tempi liebt, zeigte sich bereits in der Orchestersuite D-Dur, BWV 1068, von Johann Sebastian Bach. Während sich die schnellen Passagen gelegentlich im starken
Nachhall der großen Kirche verloren, führte dies jedoch bei der berühmten Air mit ihren bedächtig fortschreitenden Harmoniewendungen zu einer Klangwirkung, bei der die Melodietöne wie von einer einschmeicheln den Schutzschicht überzogen wurden, ähnlich dem Sound, mit dem das Orchester Man-
tovani vor Jahrzehnten berühmt war.
Die „Donnerode", die Georg Philipp Telemann im Alter von 75 Jahren geschrieben hat, bezieht sich auf das verheerende See- und Erdbeben, das im Jahr 1755 weite Landstriche in Schutt und Asche gelegt hatte. Das Schreckensszenarium wird dabei zum Ausgangpunkt einer Gottesverehrung, die diese Natur-
katastrophe als äußeres Zeichen seiner Macht aber auch seines Zornes deutet, mit der er „die Meere erschüttert, die Zedern zerschmettert und die stolzen Gebirge einstürzen lässt." Der Anfangschor: „Wie ist Dein Name so groß" bildet das formale Gerüst, das eine Reihe von Arien und Duetten umschließt.

Der Münsterchor, verstärkt durch den Kammerchor Schwabmünchen (Einstudierung Tobias Drixler) brachte die mächtigen Akkordblöcke und markanten Intervallsprünge mit Prägnanz eindrucksvoll zur Gel-
tung. Während der Tenor -Klaus Steppberger und der Bassist Ernst Buscagne die kämpferisch-heroische Seite mit geschmeidiger Vitalität verkörperten, bildete Barbara Schillo mit leuchtkräftigem Sopran zusammen mit dem fülligen Alt von Claudia Schneider in der Betonung lyrischer Melodik das Pendant zur
Darstellung des vielgestaltigen Kosmos.

Kindlich-naive Tonmalerei

Ganz typisch für die aus heutiger Sicht kindlich-naive Tonmalerei der Barockzeit ist das Duett: „Er donnert, dass er verherrlicht werde" wo den männlichen Solisten geradezu halsbrecherische Koloraturen als Illustrierung des Schreckens abverlangt werden. Das Wagnis, ein selten zu hörendes Werk aufzu führen, kann als durchaus gelungen bezeichnet werden, was sich auch im begeisterten Beifall des Publikums äußerte.